Title: Nudging in der Conversion-Optimierung oder: was Webdesign mit Stupsen zu tun hat
Author: RegioHelden
Published: 28. Januar 2020
Last modified: 27. November 2024

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# Nudging in der Conversion-Optimierung oder: was Webdesign mit Stupsen zu tun hat

 Veröffentlicht am 28. Januar 202027. November 2024

_Inhaltsverzeichnis_

 * [Was bedeutet Nudging?](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#was)
 * [Homo Sapiens: der Grund, warum Ihre Website nicht konvertiert?](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#homo)
 * [System 1 oder System 2?](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#system)
 * [System 1: nicht so schlau, aber sehr schnell!](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#eins)
 * [System 2: nicht so schnell, aber sehr schlau!](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#zwei)
 * [Den menschlichen Entscheidungsprozess beeinflussen](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#beeinflussen)
 * [Nudging in der Conversion-Optimierung von Websites](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#website)
 * [Nudging in der Conversion-Optimierung: ein Beispiel](https://www.stroeer-direkt.de/blog/2020/online-marketing-nudging-in-der-conversion-optimierung-oder-was-webdesign-mit-stupsen-zu-tun-hat/?output_format=md#beispiel)

## **Was bedeutet Nudging?**

Nudging bedeutet übersetzt „leichtes Anstoßen“ oder „Anstupsen“. Nicht zu verwechseln
mit dem Begriff _Push _aus dem Marketing-Kontext, der „Schubsen“ bedeutet und bei
Rezipienten oftmals auf Ablehnung stößt. Warum? Online-Leser möchten Angebote lieber
selbst entdecken, statt ungefragt mit Informationen und Aufforderungen überschüttet
zu werden. Richard Thaler, Ökonom und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften,
fängt bei einer grundlegenderen Frage an: Wie treffen Menschen Entscheidungen? In
den meisten Situationen handeln wir impulsiv und emotional. Meist reicht ein kleiner„
Stupser“, damit wir unser Verhalten ändern. 

Dieser Grundgedanke lässt sich auf verschiedenste Lebensbereiche, z.B. im politischen
oder wirtschaftlichen Kontext, aber auch im privaten Umfeld, anwenden. Ebenso gut
lässt sich die Idee auf die Conversion-Optimierung im Online-Marketing übertragen–
ein spannender Ansatz für alle Webdesigner, um potenzielle Kunden auf der eigenen
Website zu einer gewünschten Handlung zu bewegen. Dazu ist es wichtig, zu verstehen,
wie der User tickt. Um das herauszufinden, machen wir zunächst einen kleinen Ausflug
in die Entscheidungstheorie.

### **Homo Sapiens: der Grund, warum Ihre Website nicht konvertiert?**

Der Homo Oeconomicus ist Schnee von gestern, als Wirtschaftswissenschaftler noch
von einem rational handelnden Entscheider sprachen. Dieser Homo Oeconomicus durchlief
einen optimalen Entscheidungsprozess, der zu mehr Wohlstand führen sollte – so die
Theorie. Die Realität sieht jedoch anders aus: Unternehmenspleiten, Fehlentscheidungen,
aber auch der gesundheitsschädliche Konsum von Alkohol oder Nikotin oder eben Bounce-
Rates im Online-Marketing sprechen eindeutig nicht für durchdachte, rationale Entscheidungen.

Im Gegenteil: Sie zeigen, dass wir meistens aus einer Unsicherheit heraus entscheiden,
weil uns wichtige Zusammenhänge fehlen und dass wir oft eben nicht wissen, was wir
da eigentlich tun. Warum? Ganz einfach: Weil wir irrationale, spontane, unvorhersehbare,
emotionale und sprunghaft handelnde Homo Sapiens sind. Auf dieser Grundlage lässt
sich um einiges besser erklären, warum eine Website nicht konvertiert – und vor 
allem: wie man sie gestalten sollte, damit sie es tut. Um die Denkmuster von Usern
noch besser zu verstehen, gehen wir noch ein Stück weiter und fragen uns: Wie genau
entscheidet der Homo Sapiens?

### **System 1 oder System 2?**

Die beiden Psychologen und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften (2002)
Daniel Kahneman und Amos Tversky haben ein Entscheidungsmodell entworfen, das den
irrationalen Homo Sapiens ins Zentrum stellt. Es geht grundlegend davon aus, dass
wir in zwei Systemen denken. 

**System 1: nicht so schlau, aber sehr schnell!**

Dieses Denkmuster ist impulsiv, einfach gestrickt und lässt uns instinktive Entscheidungen
treffen. Das Gute: Taucht ein Problem auf, liefert das System immer eine schnelle
Lösung. Das weniger Gute: Es prüft nicht, ob die Lösung plausibel, logisch und sinnvoll
ist. Kurz gesagt: Es betreibt keinen besonders hohen mentalen Aufwand, um eine Lösung
zu finden. Das kann in vielen gängigen Situationen von Vorteil sein (Was ziehe ich
an? Wie komme ich heute zur Arbeit?). In diesen Fragen ist es nicht nötig, streng
logisch, rational und präzise zu entscheiden. Das wäre kognitive Ressourcenverschwendung.

**System 2: nicht so schnell, aber sehr schlau!**

Dieses Denkmuster arbeitet sehr genau und diszipliniert, es ist kritisch und hinterfragt
sich. Es wird bei komplexen oder unerwarteten Fragestellungen aktiviert und greift
bei der Problemlösung auf die entlegensten Erfahrungen und Erinnerungen zurück. 
Das Gute: Es prüft, ob die Lösung plausibel, logisch und sinnvoll ist. Das weniger
Gute: Es ist sehr träge, faul und langsam und eignet sich daher im alltäglichen 
Leben oft nicht zur Entscheidungsfindung. 

### **Den menschlichen Entscheidungsprozess beeinflussen**

Schön und gut, wir denken also in 2 Systemen. Was hat das alles mit Conversion-Optimierung
und Webdesign zu tun? Um diesen Bogen zu schlagen, müssen wir uns bewusst machen,
dass wir mit dem eben gewonnenen Wissen den menschlichen Entscheidungsprozess aktiv
beeinflussen können. Wenn die meisten Menschen in System 1 denken, dann sollte man
dieses so führen, dass es am Ende eine gute Entscheidung trifft. Thaler verwendet
hierfür den Begriff der Entscheidungsarchitektur. 

Sie federt die Schwächen von System 1 ab und stellt dem Menschen im Entscheidungsprozess
eine Aneinanderreihung von Wahlmöglichkeiten zur Verfügung. Die Reihenfolge und 
auch die Verfügbarkeit der Wahlmöglichkeiten sind so konstruiert, dass der irrationale
bzw. überforderte Mensch ohne große mentale Anstrengung ans Ziel gelangt. Um nun
tatsächlich den Bogen von der Entscheidungsarchitektur zur Conversion-Optimierung
zu schlagen: Die Webdesigner selbst sind die Entscheidungsarchitekten! Wie ein stiller
Begleiter führen sie den User an das gewünschte Ziel, ohne diesen zu bevormunden
oder sich aktiv einzumischen. 

### **Nudging in der Conversion-Optimierung von Websites**

Wenn Webdesigner sich als Entscheidungsarchitekten verstehen, dann können sie versuchen,
den User durch den Aufbau der Website in die richtige Richtung zu „stupsen“. Mit
dem bekannten Wissen um Entscheidungsprozesse im System 1 können Webdesigner alle
Stolperfallen auf Websites entfernen, in die wir mit diesem Denkmuster hineintappen
würden. Mehr noch: Webdesigner sollten sich die Reflexe und die Impulsivität der
Website-Besucher zu Nutze machen, um die Bounce-Rate auf den Seiten zu senken und
die Conversion-Rate zu optimieren. 

![](https://www.stroeer-direkt.de/wp-content/uploads/sites/7308/2020/01/content-
stupsen.jpg)

© Wayhome Studio/stock.adobe.com

### **Nudging in der Conversion-Optimierung: ein Beispiel**

Jetzt haben wir viel Theorie durchgekaut – es wird Zeit für ein Beispiel! Nehmen
wir an, Sie suchen im Internet nach einem Pflegedienst für eine Ihnen nahestehende
Person. Sie geben die entsprechenden Keywords in die Suchmaschine ein und landen
auf der Startseite eines Pflegedienstes in Ihrer Region.

**So nicht:**

Das Design der Seite ist in weißen und grauen Farben gehalten, das Headerbild ist
ein nichtssagendes Stockfoto. Der erste Eindruck: Kälte und Distanz! Auf der Startseite
wird Ihnen versichert, dass alle Pflegekräfte ausgebildet und geprüft sind und die
Kosten transparent. Außerdem wird Ihnen erklärt, dass die Datenverarbeitung rechtssicher
ist und Sie eine Pflegekraft für Ihre Liebsten mit nur wenigen Klicks suchen, vergleichen
und buchen können.

Wow! Das klingt nicht nach einem vertrauensvollen Pflegedienst, der Ihre persönlichen
Bedürfnisse versteht und Ihnen bei der Entscheidungsfindung hilft. Im Gegenteil:
Ihnen wird ein hoch emotionales Thema („Ich suche ein neues Zuhause für einen geliebten
Menschen“) funktional und sachlich erklärt und mit für Sie völlig irrelevanten Informationen
überlagert. Um zu beurteilen, ob es sich bei dem Pflegedienst um eine geeignete 
Lösung für Ihr Anliegen handelt, müssten Sie System 2 anwerfen. Viel zu anstrengend!
Es dauert keine 10 Sekunden, bis Sie gestresst aufgeben und abspringen. 

**So gerne:**

Wie müsste die Startseite gestaltet sein, damit Sie sich mit System 1 abgeholt fühlen?
Zunächst einmal muss klar sein, mit welchen Bedürfnissen Sie auf die Seite kommen.
Nehmen wir also Ihren Blickwinkel ein: Wenn es um eine Pflegekraft für Partner oder
Eltern geht, befindet man sich in der Regel in einer hoch emotionalen Situation.

Genau das sollte auch das Design der Seite widerspiegeln. Sowohl die farbliche Aufmachung
als auch der Content sollten auf die Emotionen ausgerichtet sein, die mit dem Thema
Pflege unmittelbar verbunden sind: Liebe, Verbundenheit, Vertrauen, Zuwendung, Menschenwürde,
füreinander da sein, aber auch Lebensabend, Abschied nehmen und Verantwortung. Diese
oder zumindest einige dieser Emotionen sollten direkt im Headerbild, mit warmen 
Farben auf der Seite und einer aussagekräftigen Überschrift angesprochen werden.

Auch eine Kontaktmöglichkeit für eine unverbindliche, persönliche Beratung sollte
im direkten Sichtfeld des Users platziert werden. So wird der Leser in eine Entscheidungsarchitektur
geschickt, die sich nicht an der Funktionalität der Leistung, sondern ausschließlich
an seiner persönlichen Situation orientiert. Wenn der erste Eindruck stimmt, werden
Sie Schritt für Schritt Vertrauen fassen und sich genauer über das Unternehmen und
dessen Pflegeleitbild informieren. Ein Beispiel für eine gelungene Startseite finden
Sie [hier](https://www.tagnachtpflege.de/). 

### **Schlussbemerkung: Irren ist menschlich**

Die Redewendung trifft den Nagel auf den Kopf: Den Menschen, der in jeder Situation
rational denkt und nach objektiver Abwägung aller relevanten Sachverhalte optimal
entscheidet, gibt es nicht. Wir alle sind fehlbar. Wir entscheiden mehr oder weniger
irrational und müssen auf Websites dementsprechend angesprochen werden. Für alle
Webdesigner (und Webtexter) heißt das: psychologisches Wissen aufbauen und im besten
Fall die Website an einer [Persona](https://stroeer-online-marketing.de/blog/2019/content-marketing-erfolgreicher-online-auftritt-dank-persona/)
ausrichten, um die Zielgruppe in die richtige Richtung zu lenken. 

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